Genese der chronischen Venenkrankheit
Die Funktionsstörung des Venensystems kann primärer Genese (in fast 90% der Fälle) oder sekundärer Genese (etwa 10% der Fälle von CVI) sein. Sie führt über kurz oder lang zu einer progredienten chronic venous disease (CVI). Diese tritt in den Industrieländern bei 11 bis 24% der Bevölkerung auf und ist bei Frauen häufiger (Geschlechterverhältnis = 1/3).

Von Jean-Patrick Benigni, MD, Generalsekretär der Französischen Gesellschaft für Phlebologie, Paris – Frankreich
Der Begriff primäre chronische Venenkrankheit (CVK) umfasst alle chronischen Symptome und klinischen Zeichen bei einer Schädigung der Venenklappen oder Venenwand ohne erkennbare Ursache.
In verschiedenen epidemiologischen Studien konnten Risikofaktoren für die primäre chronische Venenkrankheit identifiziert werden. Einige dieser Risikofaktoren sind unumstritten, während andere eher hypothetisch sind.
Unumstrittene Faktoren
- Alter:
Die chronische Venenkrankheit tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf, insbesondere bei Menschen über 60 Jahren. - Hereditäre Faktoren:
50% der Patienten mit Varikosis haben mindestens ein Elternteil mit Varikosis. Leiden beide Eltern an Varikosis, haben 90% ihrer Kinder diese Erkrankung. - Geschlecht:
Bei Frauen sind Symptome dieser Erkrankung häufiger als bei Männern.
Schwangerschaften fördern die Entwicklung einer Varikosis und die Anzahl der ausgetragenen Schwangerschaften gilt als Hauptrisikofaktor für das Auftreten der Erkrankung. - Kontrazeption und Hormonbehandlungen, die Östrogene oder bestimmte Gestagene enthalten, sind zweifellos ein am Fortschreiten der CVK beteiligter Faktor.
- Bewegungsmangel:
Die Inzidenz der Varikosis ist bei Frauen, die mehr als 8 Stunden pro Tag in der gleichen Körperhaltung verbringen, signifikant höher als bei aktiveren Frauen. Eine abträgliche Wirkung von Bewegungsmangel wird auch bei Männern beobachtet. - Adipositas und Übergewicht:
Man geht davon aus, dass eine Varikosis bei adipösen Menschen häufiger ist. Diese Auffassung wird zuweilen in Frage gestellt. Zweifellos fördert jedoch eine krankhafte Adipositas selbst ohne venösen Reflux die Entwicklung trophischer Veränderungen. - Arbeitshaltung:
Länger als 6 Stunden am Tag dauerndes Arbeiten im Stehen führt sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu einer erhöhten Inzidenz der Varikosis.
Hypothetische Faktoren
Die folgenden Faktoren spielen vermutlich eine Rolle bei der Entwicklung einer Venenkrankheit:
- High-Impact“-Sportarten (Tennis, Fußball usw.)
- Hitze
- enge Kleidung
- Sitzen mit übereinander geschlagenen Beinen
- Obstipation
- Diät usw
Bisher wird die Rolle dieser Faktoren jedoch nicht durch wissenschaftliche Evidenz untermauert.
Schließen

Von Jean-Patrick Benigni, MD, Generalsekretär der Französischen Gesellschaft für Phlebologie, Paris – Frankreich
Eine tiefe Venenthrombose führt zu einer Blockade des tiefen Venennetzes.
Zunächst wird der venöse Blutfluss dann in das oberflächliche Venennetz umgeleitet, so dass es in bestimmten Fällen zu einer Dilatation der oberflächlichen Venen und einer Schwellung des Beins kommt.
Ein Teil der verlegten Vene wird entweder nach einer Behandlung oder spontan wieder durchgängig. Diese Zerstörung des Blutgerinnsels verursacht auch eine Zerstörung der beteiligten tiefen Venenklappen.
Mittelfristig verursacht das Fehlen intakter Venenklappen einen Hochdruck in diesen Venen, da die Blutsäule nicht mehr von den Klappen „zurückgehalten“ wird. Das Gewicht der Blutsäule wird dann von der am weitesten distal liegenden Vene getragen. Da das Blut nicht mehr zum Herzen zurückkehrt, kommt es zu einem Rückfluss des Blutes in Richtung der am weitesten distal liegenden peripheren Vene.
Am tiefsten Punkt der „wieder durchgängigen“ Vene ist der Druck daher zu hoch.
Dieser Hochdruck wird dann an das oberflächliche Venennetz weitergegeben. Das zuvor funktionsfähige oberflächliche Venennetz wird daher infolge dieser übermäßigen Belastung beeinträchtigt, so dass es zur Dilatation der oberflächlichen Venen und zur Klappeninsuffizienz in diesen oberflächlichen Venen kommt.
Nach einer Phlebitis fließt das venöse Blut deshalb durch die Perforansvenen, die durch Aponeurosen (Hüllen) um die Muskeln herum verlaufen, von den „wieder durchgängigen“ tiefen Venen in Richtung der oberflächlichen Venen
Ohne adäquate Behandlung bilden sich allmählich die Zeichen einer CVK aus.
Zu beachten ist, dass eine Thrombose zwei verschiedene Verläufe nehmen kann:
- Das Blutgerinnsel (der Thrombus) kann sich früher oder später auflösen
- oder die betroffene Vene kann blockiert bleiben.
Im ersten Fall entwickelt sich in der Vene schnell ein Hochdruck, wenn die Vene bei der Auflösung des Thrombus viele Klappen verloren hat. Das Bein schwillt an und es treten Krampfadern auf.
Im zweiten Fall wird das Bein ebenfalls anschwellen, wenn die Obstruktion eine große Vene betrifft, da die blockierte Vene als Hindernis wirkt und den venösen Rückstrom verhindert. Krampfadern entwickeln sich auch, wenn die Vene nicht wieder durchgängig wird. Diese zweite Situation ist heutzutage seltener, weil wirksame gerinnungshemmende Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen.
Schließen
Seltener kann CVK kongenitalem Ursprung sein (mangelnde Funktion der Venenklappen oder gar keine Venenklappen vorhanden.
Dementsprechend redet man daher nicht von einer chronischen Venenkrankheit sondern von einer chronisch venösen Insuffizienz.