Anpressdruck

Eine Binde wird auch anhand ihres Anpressdrucks definiert, den sie auf die Gliedmaße ausübt, das heißt anhand des in vivo zwischen Binde und Haut gemessenen Drucks. (Mehr...)

Früher wurden nur die technischen Daten von Labormessungen zum Vergleich von Binden herangezogen.  Seit einigen Jahren haben sich jedoch die Meinungen internationaler Experten geändert und  die neuen internationalen Empfehlungen orientieren sich an den in vivo gemessenen Werten des Anpressdrucks.
Der Anpressdruck, der bis vor kurzem weitgehend ignoriert wurde, ist heute als die wichtigste biophysikalische Eigenschaft von Kompressionssystemen zur Anwendung bei Patienten anerkannt.

Dieser Druck ist sowohl vom Typ der Binde abhängig als auch davon, ob die Gliedmaße, an der der Wert bestimmt wird.

  • immobil ist, wobei sich ein Ruhedruck (RD) ergibt, der direkt von der passiven Spannung des Kompressionssystems erzeugt wird
  • mobil ist, wobei sich ein Arbeitsdruck (AD) ergibt, der intermittierend bei Belastung durch Muskeltätigkeit erzeugt wird.

Die Differenz zwischen diesen beiden Druckwerten entspricht dem Steifheitsindex der Binde.

Je höher dieser Index ist, je steifer ist die Binde und umso mehr entspricht sie der Kategorie der Kurzzugbinden (wenig elastisch).
Je niedriger dieser Index ist, umso elastischer ist die Binde, d. h. umso mehr entspricht sie der Kategorie der Langzugbinde.
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Da die Werte für den Anpressdruck von der Dehnbarkeit eines Produkts abhängen, haben Kurz- und Langzugbinden in vivo nicht dieselben Profile für den Anpressdruck.
Diese Merkmale haben direkten Einfluss auf das erwartete Ergebnis am venös-lymphatischen System.
(siehe Kapitel über Kompressionswirkungen verschiedener Bindentypen)

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