Anpressdruck
Eine Binde wird auch anhand ihres Anpressdrucks definiert, den sie auf die Gliedmaße ausübt, das heißt anhand des in vivo zwischen Binde und Haut gemessenen Drucks. (Mehr...)
Der Anpressdruck ist der in vivo gemessene Druck zwischen dem auf einer Gliedmaße angelegten Kompressionsmaterial und der Haut.
Dieses Maß wird mit direkt auf die Gliedmaße des Patienten aufgelegten Sensoren bestimmt. Diese werden vor dem Anlegen des zu prüfenden Kompressionsmaterials an standardisierten Punkten angebracht (z. B. am Ansatz des Wadenmuskels, an Punkt B1, d. h. 10-15 cm vom Malleolus entfernt, zur Bestimmung des Drucks am Knöchel).
Die Messmethode für diesen Druckwert muss noch international standardisiert werden, weil er insbesondere vom verwendeten Sensortyp und den anatomischen Messzonen abhängt.
Der Anpressdruck wird in mmHg angegeben.
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Früher wurden nur die technischen Daten von Labormessungen zum Vergleich von Binden herangezogen. Seit einigen Jahren haben sich jedoch die Meinungen internationaler Experten geändert und die neuen internationalen Empfehlungen orientieren sich an den in vivo gemessenen Werten des Anpressdrucks.
Der Anpressdruck, der bis vor kurzem weitgehend ignoriert wurde, ist heute als die wichtigste biophysikalische Eigenschaft von Kompressionssystemen zur Anwendung bei Patienten anerkannt.
Dieser Druck ist sowohl vom Typ der Binde abhängig als auch davon, ob die Gliedmaße, an der der Wert bestimmt wird.
- immobil ist, wobei sich ein Ruhedruck (RD) ergibt, der direkt von der passiven Spannung des Kompressionssystems erzeugt wird
- mobil ist, wobei sich ein Arbeitsdruck (AD) ergibt, der intermittierend bei Belastung durch Muskeltätigkeit erzeugt wird.
Die Differenz zwischen diesen beiden Druckwerten entspricht dem Steifheitsindex der Binde.
Je höher dieser Index ist, je steifer ist die Binde und umso mehr entspricht sie der Kategorie der Kurzzugbinden (wenig elastisch).
Je niedriger dieser Index ist, umso elastischer ist die Binde, d. h. umso mehr entspricht sie der Kategorie der Langzugbinde.
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Ruhedruck, Arbeitsdruck, Steifheitsindex
Die von einem Kompressionssystem ausgeübten Druckwerte werden in vivo bei gesunden Probanden oder Patienten bestimmt. Dabei muss die Mobilität der Gliedmaße, auf die der Druck ausgeübt wird, berücksichtigt werden, d. h. der Zustand der Wadenmuskelpumpe.
Deshalb muss der Anpressdruck in Ruhe und unter Belastung gemessen werden.
Der Ruhedruck (Rd) ist der durch das Kompressionssystem bei Fehlen jeglicher Muskelkontraktion ausgeübte Druck. Er hängt daher direkt von der Spannung des auf die Gliedmaße applizierten Systems ab, die der durch dieses System kontinuierlich auf das Bein ausgeübten minimalen passiven Kraft entspricht.
Der Arbeitsdruck (AD) ist der während Muskelkontraktion, d. h. unter Belastung ausgeübte Druck. Er entspricht der intermittierenden aktiven Kraft des Kompressionssystems, das einen Widerstandsdruck ausübt, wenn der Muskel sich kontrahiert und das Volumen zunimmt.
Der Steifheitsindex ist die Differenz zwischen Arbeitsdruck und Ruhedruck.
Heute wird dieser Index hauptsächlich mit einer Methode bestimmt: Bestimmung des statischen Steifheitsindex (Static Stiffness Index [SSI]), der die Differenz der im Stehen und Liegen gemessenen Druckwerte angibt.
In der Literatur werden heute auch andere Methoden vorgeschlagen, mit denen dynamische Druckwerte bestimmt werden (z. B. mit Flexion und Extension des Knöchels oder auch mit Messungen auf einem Laufband).
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Da die Werte für den Anpressdruck von der Dehnbarkeit eines Produkts abhängen, haben Kurz- und Langzugbinden in vivo nicht dieselben Profile für den Anpressdruck.
Diese Merkmale haben direkten Einfluss auf das erwartete Ergebnis am venös-lymphatischen System.
(siehe Kapitel über Kompressionswirkungen verschiedener Bindentypen)