Druckmessung im Kompressionsbereich - Teil 2

Von Prof. Dr. Michael Jünger, Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald
 

Venöse Durchblutung der Beine, über Störungen der venösen Hämodynamik, die Wirkungen der medizinischen Kompression und unterschiedliche Kompressionsverbände.

Bedeutung des Anpressdruckes für die medizinische Wirksamkeit

Ermitteln des Anpressdrucks

Der nach Anlage eines Verbandes erzeugte Druck wird bestimmt durch die Spannung im Verband, die Anzahl der angelegten Verbandslagen und die Krümmung der betreffenden Gliedmaßen.

Diese Interaktionen werden durch das Laplace Gesetz beschrieben, welches besagt, dass der angewandte Druck direkt proportional zur Spannung in einem Verband und umgekehrt proportional zu Radius der Rundung der Andruckfläche ist.

P ∞ T / R

P = Druck; T = Spannung; R = Radius; ∞ proportional

 Je höher die Vorspannung  des Bindenmaterials desto höher der Anpressdruck, umso größer der Radius des Beines, desto geringer der Anpressdruck. Die Kontinuität der Spannung des Bindenmaterials über einen längeren Zeitraum ist abhängig von den Verbandsmaterialeigenschaften und der Strickungsfertigung. Die Längen- und Breitenausdehnung unter Zug, wird Dehnbarkeit genannt. Unter einer für den Verband maximal möglichen Vordehnung wird eine bestimmte Dehnungssperre erreicht, welche eine Einteilung in Kurz- oder Langzugmaterialien ermöglicht.

Unter Kurzzug versteht man Verbände, die wenig elastisch, minimal dehnbar und passiv sind Ihre Dehnung sollte nicht über 70% liegen.

Langzug ist durch Materialien mit größerer Dehnbarkeit, Elastizität und Aktivität gekennzeichnet, die eine Dehnung über 140 % zulassen. Kleine Änderungen des Dehnungszustandes, wie z.B. beim Gehen, führen bei elastischen Verbänden aufgrund der Elastizität zu geringen Schwankungen des Anpressdruckes, wohingegen bei unelastischen Materialien Änderungen bei z.B. Volumenzunahme der Wade durch Bewegung, hohe Anpressdruckanstiege erreicht werden können. Somit entsteht bei unelastischen Materialien eine dynamische Druckanpassung unter Bewegung, im Sinne eines niedrigen Andrucks in Ruhe und hohen in Bewegung.

Somit erreicht der Kurzzugverband hohe Anpressdrucke unter Muskelaktivität und niedrige Ruhedrucke bei Entspannung der Muskulatur. Somit ergibt sich hieraus einen Unterstützender Widerstand gegen den die  Wadenmuskelpumpe arbeiten muss.

Messung des Anpressdruckes

Um die Wirkungsweise der Kompressionstherapie zu quantifizieren ist eine Bestimmung des lokalen Anpressdrucks unter physiologischen Gegebenheiten unter dem Kompressionsmaterial messtechnisch sinnvoll. Um dieses zu realisieren wurden verschiedene Druckmessgeräte entwickelt.  Die Sensoren sollten sich flexibel an variable Oberflächen anpassen, eine ausreichende Auflagefläche und Materialbeschaffenheit besitzen, die ein Eindrücken des Sensors unter dem Verband in die Haut weitestgehend verhindert. Zudem darf das Volumen dieser Sensoren die Vordehnung des Kompressionsmaterials nicht beeinträchtigen.

Druckmesskissen des Druckmeßsystems der Firma ELCAT VQ 2000

Dieses Messystem erfüllt die genannten Anforderungen an den Sensor. Der Sensor wird meist im Bereich des medialen Unterschenkels am unteren Rand des Wadenmuskels positioniert (Position B1).

 

   Abbildung 1: ELCAT-Druckmesskissen

 

Der Anpressdruck wird kontinuierlich unter Ruhebedingungen am liegenden und am stehenden Patienten sowie unter „Arbeitsbedingungen" beim Gehen auf dem Laufband, während Zehenstandsübungen oder in halbsitzender Position während aktiven Bewegungen des Fusses im Sprunggelenk ermittelt.

Idealerweise sollte ein Kompressionsverband einen möglichst niedrigen Anpressdruck in Ruhe und einen hohen Anpressdruck beim Gehen erzeugen, damit während des Gehens der venöse Reflux sicher ausgeschlossen ist und während der Ruhe z.B. beim Schlafen in der Nacht die Hautdurchblutung insbesondere über den Knöcheln, der Ferse, im Bereich der Fussränder unbeeinträchtigt ist.

In einer prospektiven kontrollierten Studie von Andrea Ladwig, Greifswald, wurden sieben unterschiedliche Kompressionsverbände (Mehrlagen und Mehrkomponentenkompressionsverbände) im Hinblick auf den Anpressdruck und auf die venöse Hämodynamik verglichen.

Der kurzzugige, klassische Zinkleimverband schaltete den venösen Reflux, den Strom des venösen Blutes in Richtung Fuss,  bei vergleichsweise niedrigem Anpressdruck in Ruhe zuverlässig aus, gefolgt von modernen Mehrkomponentenkompressionsverbänden.

Die besonders kurzzugigen Mehrkomponentenverbände mit adhäsiven oder kohäsiven Eigenschaften erwiesen sich als besonders gut geeignet,  Blut aus dem Bein zum Herzen zu transportieren („venöse Drainage"). Zu letzteren modernen Mehrkomponenten-Verbänden mit adhäsiven Eigenschaften gehört UrgoK2 von Urgo.